Lehrerin Karin Kunze im Gespräch über Umweltschutz-Projekte an der Limesschule

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Kreis-Anzeiger, 09.12.2017 (Von Andrea Schinzel)

ALTENSTADT – Anfang der 90er kümmerten sich Schüler der Limesschule in Altenstadt um eine Streuobstwiese. Daraus ist schließlich ein umfassendes Projekt im Zuge des Wahlpflichtunterrichts (WPU) entstanden. Es ist einer der Gründe, warum die Gesamtschule sich mit dem Titel „Umweltschule“ schmücken darf. Die Limesschule wird seit 14 Jahren regelmäßig ausgezeichnet. Erstmals erhielt sie den Titel 2003. Antreiber in Sachen Umwelt- und Klimaschutz ist Karin Kunze. Die Lehrerin für Biologie und Chemie ist gleichzeitig Umweltbeauftragte und mit viel Herzblut bei der Sache. Der Kreis-Anzeiger sprach mit ihr über ihre Arbeit und die Verpflichtungen, die mit dem Titel „Umweltschule“ einhergehen.

Was muss eine Schule tun, damit sie Umweltschule wird? Ist es damit getan, Müll zu trennen, das Licht im Klassenzimmer auszuknipsen und die Heizung abzudrehen?

Nein, natürlich nicht. Das gehört dazu. Aber es ist mehr als das. Umweltschule heißt: lernen und handeln für unsere Zukunft. Unser Ziel ist die emotionale Bindung der Schüler an den Umwelt- und Klimaschutz. Dazu gibt es Projekte. Das geschieht nicht allein über den Kopf, sondern auch mit dem Herz. Aber noch einmal zum leidigen Thema Müll: Die Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft. Genauso wie auf den Straßen Unrat liegt, wird auch auf dem Schulgelände Müll achtlos weggeworfen. Es gibt eben immer wieder Menschen, die sich dazu wenig Gedanken machen.

Seit 2003 ist die Limesschule Umweltschule, auch dank der Streuobstwiese. Was war daran so überzeugend?

Zu dem Projekt gehören die Pflege, das Ernten, die Verarbeitung der Früchte und die Beobachtung der Flora und Fauna auf der Wiese. Die Schüler werden so auf die Biodiversität des Naturraums aufmerksam. Auf der Fläche von rund einem halben Hektar stehen 50 Bäume. Für viele Schüler war vor allem die Pflege ein Spaß, wenn sie mit der Säge hantieren konnten. Ich habe selbst Schnittkurse gemacht, um die Schüler anleiten zu können.

Finden jedes Jahr genügend Schüler, die an dem Kurs teilnehmen wollen?

Ja, durchschnittlich sind es 20. Was passiert, wenn es nicht so läuft, haben wir gesehen. Ich bin 2015 und 2016 aus gesundheitlichen Gründen häufig ausgefallen und niemand wollte die Verantwortung übernehmen. Die Wiese verbuschte. Dank des Fördervereins und der Firma Scherz konnten wir die Streuobstwiese aber wieder in ihren eigentlichen Zustand versetzen.

Welche anderen Projekte gibt es in Sachen Umwelt noch an der Limesschule?

Unseren Schulteich. Initiator war damals unser ehemaliger Lehrer Alfred Leiß, der den Teich angelegt hat. Zahlreiche Aktionen folgten. Wir haben regelmäßige Umwelttage. Dann wird am Teich gearbeitet, es werden Gewässerproben entnommen, Flora und Fauna beobachtet. Den Oberstufengruppen dient er als Basis für Arbeiten zum Thema Ökologie. Von den Kunstkursen wird er gerne als Motiv genutzt. Außerdem dient er uns Lehrern als Erholungsraum, weil er direkt neben dem Lehrerzimmer liegt. Und natürlich braucht auch ein Teich regelmäßige Pflege.

Werden umweltrelevante Themen wie Klimaschutz auch in anderer Weise im Schulalltag aufgegriffen?

Immer häufiger werden auch Kollegen für das Thema sensibilisiert. Sie binden die Umweltthemen in vielfacher Weise in den Unterricht mit ein. Vor allem bei den Gesellschaftswissenschaften; in den naturkundlichen Fächern sowieso und sogar im Religionsunterricht. Eigentlich wollen wir weg von einzelnen Projekten und hin zu einem großen Ganzen.

Ist die Umsetzung nicht schwierig? Immerhin gibt es Lehrpläne, die erfüllt werden müssen.

Insgesamt haben sich Prioritäten verschoben, ja. Längst gibt es die Inklusion. Wir haben die sogenannten DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache, d. Red.). Das nimmt das Kollegium sehr in Anspruch. Die Umweltthemen dürfen trotzdem nicht in den Hintergrund rücken.

Ist das schon mal passiert?

Ja, ein Beispiel ist die sogenannte Grüne Lunge, ein Erholungsraum gegenüber der katholischen Kirche. Der wurde früher von Schülern der Hauptschulklassen hergerichtet und gepflegt. Das musste gecancelt werden. Aber wir müssen manche Projekte auch zeitgemäßer machen. Es gab mal „Grün und Bunt“ im Zuge der pädagogischen Mittagsbetreuung. Aber Blümchen bestimmen ist nicht mehr.

Was ist denn zeitgemäß?

Wir haben jetzt ein neues Motto: „Unsere Schule ist l(i)ebenswert“, in das Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 10 eingebunden sind. Dabei geht es zum Beispiel um die Mitgestaltung des Schulhofes unter dem Tenor „weg von der Betonwüste“. Dabei wurden die Ideen der Schüler aufgegriffen. Auch wollen wir noch weniger Müll produzieren. In diesem Zusammenhang gibt es auch Gespräche mit dem Betreiber der Mensa. Da würden wir unter anderem gerne weg von den typischen Einwegverpackungen bei Snacks und Getränken.

Wodurch zeichnet sich die Limesschule noch als Umweltschule aus?

Die Schule wird mit Pellets geheizt. Längst wird viel Photovoltaik auf den Dächern eingesetzt und die neue Sporthalle ist ein Passivbau.

Sie gehen in zwei Jahren in Pension. Wer wird ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin?

Da muss ich noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten (grinst). Es ist viel Arbeit. Wenn ich allein an die Dokumentationen denke, die ich regelmäßig verfasse, damit wir wieder Umweltschule werden…